2. Juli bis 7. August 2021

HAMLET von William Shakespeare

Regisseur Holger Mahlich über Hamlet

HAMLET ist ein Stück, das einen Epochenübergang reflektiert. Etwas Altes verschwindet, etwas Neues ist noch nicht etabliert, aber schon spürbar. Und wie immer, wenn sich etwas Neues ankündigt stellen sich entscheidende Fragen, treten massive Ängste und Verunsicherungen auf. In der Hamlet-Figur ist dieses Problem manifest. Hamlets Vater ist ermordet worden und sein Geist fordert vom Sohn ihn zu rächen. In der Welt des Vaters ist das selbstverständlich und Hamlet schwört sofort diese Rache zu vollziehen.

Da sprechen Erziehung, Tradition, seine Gefühle, sein „Blut“ eine klare Sprache. Allerdings kommt Hamlet aus ‚Wittenberg’. Mit Wittenberg verbindet sich etwas fundamental Neues - der Protestantismus. Eine neue religiöse Vorstellung von der göttlichen Gnade. Eine große Gärung greift um sich. Hamlets geistige Welt ist gekennzeichnet vom Humanismus, der Renaissance. Er liest, ist musisch und seine Leidenschaft ist das Denken. Von der kriegerischen Welt des Vaters hat er sich schon weit entfernt. So kämpfen in ihm der Auftrag des Alten (sein Gefühl) mit den Idealen des Neuen.

Er ist skeptisch, zweifelt, denkt. Nietzsche schreibt: das Problem Hamlets ist nicht etwa das eines Mannes, der zu viel denkt, sondern der zu gut denkt. Er vergleicht Hamlet mit dem dionysischen Menschen: „Beide haben einmal einen wahren Blick in das Wesen der Dinge getan, sie haben erkannt, und es ekelt sie zu handeln; denn ihre Handlung kann nichts am ewigen Wesen der Dinge ändern, sie empfinden es als lächerlich oder schmachvoll, dass ihnen zugemutet wird, die Welt, die aus den Fugen ist, wieder einzurichten.... Die wahre Erkenntnis, der Einblick in die grauenhafte Wahrheit überwiegt jedes zum Handeln antreibende Motiv, bei Hamlet sowohl als bei dem dionysischen Menschen.“

Das ist, denke ich, eine sehr scharfsinnige Betrachtung des ewigen Rätsels HAMLET. Ein Rätsel, das sich wieder und wieder jeder Eindeutigkeit entzieht. Der amerikanische Literaturwissenschaftler Harold Bloom schreibt, dass, wie oft wir auch Hamlet lesen, Hamlet sehr viel genauer uns liest. Ich glaube Hamlet ist ein gesplitterter Spiegel und ich bin gespannt, was wir entdecken, wenn wir hineinschauen.

Regie: Holger Mahlich Bühne: Falk von Wangelin

HAMLET: wer kennt ihn nicht? Google findet in wenigen Sekunden über 56 Millionen Einträge zu Hamlet. 56 Millionen Perspektiven.

Hamlet entzieht sich jeder Eindeutigkeit, er ist ein Spiegel, egal von wo und wann man schaut.

Hamlet passt in jede Zeit, deshalb wird er seit Jahrhunderten gespielt. Immer wird es Menschen geben, die zumindest Teilaspekte ihrer Existenz in Hamlet wieder finden.

Hamlet wurde zum meist gespielten Drama der Weltliteratur.

HAMLET ist (auch) ein Thriller:
Politischer Mord, Rache, Staatsstreich, Inzest, Bespitzelungen, geheime Mordaufträge, Wahnsinn – gespielter wie echter – kulminierend in einem blutigen SHOWDOWN!

Den Zuschauer erwartet 2021 ein ungemein spannender und unterhaltsamer Abend in der St.-Georgen-Kirche Wismar.